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Es brennt!

Heute vor zwei Wochen brach hier ein grosser Brand aus. Es war nicht der erste in diesem Jahr. In Israel hat man bis jetzt über 1400 gezählt, wenige davon gelangten in die Nachrichten – Wald- und Buschbrände gehören ja hier wie in jedem Mittelmeerland zum Sommer.

Aber diesmal brannte es ganz in meiner Nähe. Ich hatte mich für einige Minuten hingelegt und muss dann eingedämmert sein. Ein Brandgeruch begann die Ruhe zu stören, ich schimpfte im Halbschlummer etwas vor mich hin über dumme Nachbarn, die auch in dieser Gluthitze das Verbrennen von Gartenabfall nicht lassen können, und versuchte, die Schlummerstunde zu retten. Aber der Geruch wurde beissender, Helikopter brummten in der Luft, jetzt hörte ich gequetschte, unverständliche Töne aus dem Lautsprecher eines Polizeiwagens. – Plötzlich war ich hell- ja überwach. Feuer? Feuer! Radio an! Gerade kam die Meldung durch: Das Feuer, zwei Stunden zuvor in Mevasseret Zion im Viertel Ein Chemed ausgebrochen, hatte sich durchs Wadi aufwärts gefressen und leckte schon an die äussersten Häuser des Dorfes, wo ich wohne. Die Mischlat-Strasse musste geräumt werden. Die Mischlat-Strasse, knappe fünf Gehminuten von meinem Haus entfernt! Ich ging einen Moment hinaus, um genau zu erfassen, was los war, sah Nachbarn in Autos steigen und wegfahren, andere liefen, so rasch sie konnten. Ich rief, schrie, niemand nahm mich wahr. Da bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich hatte schon Atemschwierigkeiten, ich könnte nicht schnell laufen, das Feuer würde mich einholen, der Rauch würde mich ersticken .Was tun, fragte ich das Notrufzentrum an. Die Dame am Draht war absolut vernagelt. Was, Feuer? In deiner Wohnung? – Nein, draussen. – Dann mach die Fenster zu. – Sind längst zu, aber der Brand kommt näher. – Melde es der Feuerwehr. – Aber es sind schon 21 Mannschaften im Einsatz, dazu Flugzeuge. – Du fühlst dich nicht gut, trinke Wasser, oder soll ich eine Ambulanz schicken? etc. etc.– Da drehte ich durch, schrie etwas äusserst Unhöfliches und stellte den Alarm ab. In dem Augenblick klingelte das Telefon, Freunde aus dem nahen Motza Illit boten mir Unterschlupf bei ihnen, ich könne auch dort übernachten.Sie kämen gleich mich abholen. Ja, ja, ja, danke! In drei Minuten war ich bereit und überfroh, als Ilan sich meldete. Nichts wie raus und weg. Unterwegs hörten wir, die Strassen zu uns seien jetzt gesperrt. – Drei Stunden wartete ich allein mit TV, Radio und Handy, denn die Freunde mussten weg. Ich luchste auf Meldungen und antwortete auf besorgte Anrufe, es sei alles gut, ich sei nicht in der Gefahrenzone. Gerade als es hiess, die Feuerwehr habe den Brand jetzt unter Kontrolle, kamen die Freunde zurück, leider mit schlechtem Bericht vom Arzt. Ilan fuhr mich sofort nach Haus und war gleich wieder weg zu seiner kranken Frau. Ich trat ins Haus, drückte den Schalter – kein Strom. In allen umliegenden Häusern brannte aber Licht. Im Dunkeln konnte ich die Hauptsicherung nicht kontrollieren. Ein Anruf – und unser alter Nachbar, Freund und Nothelfer Dani kam samt Taschenlampe und behob die Panne. Nun Ruhe. Ruhe? O nein, ich entdeckte allerlei verdächtige Spuren: einen Handabdruck am Glas der Haustüre, Fettspuren an einer anderen Glastür, die kleine Gardine am Klappfenster im Schlafraum war verschoben worden (von aussen, wohl mit Hilfe des weggeworfenen Bambusstabes) – kurz, irgend etwas war nicht koscher. Sollte ich die Polizei verständigen? In Anbetracht früherer Erfahrungen mit den „Freunden und Helfern“ des unbescholtenen Bürgers liess ich das. Noch ein kurzer Rundgang ums Haus, dann zu Bett. (Die Treppe ins obere Stockwerk wagte ich nicht zu benutzen.). Die Nacht verlief unruhig: allerlei Geräusche, die ich sonst nicht wahrgenommen hätte, liessen mich zusammenzucken und den Atem anhalten. Aber irgendwie kam der Morgen doch und damit eine „Bestandesaufnahme“ Die letzten Feuerherde waren jetzt gelöscht, es gab nur leichtere Schäden an Häusern und an Autos, die wegen akuter Atemnot eingelieferten Personen waren schon alle nach Hause entlassen – kurz, Mevasseret war gnädig weggekommen, mehr als gnädig. Uns allen sitzen noch der Schrecken und das Entsetzen über die letztjährige Katastrophe am Karmel in den Knochen, die 44 Menschen das Leben kostete und immense Schäden an Gebäuden und in der Natur anrichtete; auch hier hätte es schlimm ausgehen können, wenn der Wind eine andere Richtung genommen und sich noch verstärkt hätte. Übrigens hatten beide Brände die gleiche Ursache: unfassliche Nachlässigkeit. Bei Haifa hatten ein paar Jungs das Feuer nach ihrem Treffen nicht richtig gelöscht, hier in Ein Chemed hatten ein paar Rotzjungen am Vorabend sich damit amüsiert, leere Sprayflaschen in ein Feuer zu werfen, um sich an den Explosionen zu ergötzen, und die herbeigerufene kleine Feuerwehrequipe hatte den Brand nur notdürftig und unprofessionell „gelöscht“. Die Nacht durch und in den Morgenstunden hatte er geschwelt und neue Nahrung gefunden, und das übrige hatten der aufkommende starke Wind besorgt.

Zu einem echten Drama gehört ein Nachspiel. Nachbarskinder kamen und fragten: Vered, wo warst du gestern? die Polizei ist bei dir eingebrochen. Komisch. Ich konnte das nicht recht glauben, und doch – all die Spuren … Die Erklärung kam später am Tag: Nachbarsleute, die „den Braten“ schon um zwei Uhr gerochen hatten und sich im Kanion (Mall) die Zeit vertrieben, erinnerten sich gegen fünf Uhr plötzlich an mich. Da sie mich telefonisch nicht mehr erreichen konnten, meldeten sie „den Fall“ bei der Polizei, und die kam pflichtgemäss prüfen, ob der alten einsamen Frau nichts zugestossen sei. Ein netter Polizist, den ich einige Tage später zufällig im Wartezimmer der Kassenklinik traf, hörte sich diese Geschichte an und fragte dann, ob seine Kollegen denn Schaden angerichtet hätten. Nein, sagte ich, das nicht, aber ein Zettelchen an der Tür „Wir waren da, um zum Rechten zu sehen. Freundliche Grüsse von der Polizei“ hätte meinen gestressten Nerven gar wohl getan. Ich beschwere mich nicht, aber so eine kleine Botschaft würde den betreuten Menschen einen Schreck ersparen und dazu beitragen, das Image der Polizei zu verbessern. Für sie sei das ja Alltag, aber für Zivilisten, und besonders für ältere Menschen eben nicht. Der Polizist nickte freundlich, er wolle die Anregung weiterleiten, ich gab ihm die Personalien an. Nun werden wir sehen, was geschieht. Sehr wahrscheinlich nichts, aber wer weiss?

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Aha!

Aha, jetzt weiss ich,“was das bedeuten sollte“.. Ein Stück weit hatte ich Recht mit meinen Vermutungen: die Hochflut von Horrormeldungen kam nicht von ungefähr, die war konzertiert. Aber ich lag weit daneben mit der Annahme, sie sollte uns von etwas ablenken. Nein, uns auf etwas hinlenken, vorbereiten sollte sie, uns empfänglich machen für das Kommende.
Jetzt ist der Schuss draussen: Scharfe Sparmassnahmen, Einschränkungen der Staatsausgaben, viel mehr Einnahmen, sprich Steuern werden angekündigt. Bibi hat uns gestern Abend mit der Botschaft überrascht; nicht nur uns, sondern auch all seine Minister (ausser Barak). Es war wieder einmal einer seiner berühmten Hakenschläge. Vor kurzer Zeit noch hörten wir, mit unserer Wirtschaft sei alles zum besten bestellt. Wir waren die Einzigen weit und breit, denen die globale Rezession nichts anhaben konnte, unsere Arbeitslosenquote war so niedrig, dass alle uns beneideten, wir hatten die einzig richtige Konzeption, und unter der weisen Führung von Käpten Bibi und seiner Crew steuerte unser Schiff sicher und zielbewusst durch die hochgehende See wirtschaftlicher Unbilden. Eine Monsterregierung mit über 30 Ministern plus einigen Vizeministern versprach Stabilität; die hatte Bibi bitter nötig, denn das Seilziehen um das neue Staatsbudget 2013 und vorher noch um das Updating des Budgets für 2012 stand bevor. Das machte Bibi erpressbar; er versprach nach links und rechts, was die Leute hören wollten und erweiterte die parlamentarische Mehrheit auf 91 von 120 Knessetmitgliedern.
Die hielt allerdings nicht einmal zwei Monate vor, obwohl Bibi noch einmal wacker zugebuttert hatte. Dazu kamen die Probleme, welche die regionale Unsicherheit verursachte, es mehrten sich die Meldungen über die Krisen in der EU — Tja, und plötzlich geschah, was wir schon öfters erlebt hatten: Bibi fühlte sich von allen Seiten gehetzt und in die Enge getrieben – und entschloss sich zur Flucht nach vorn. Gestern um 21.00 erklärte er, die Ereignisse in Syrien, die Atompläne des Iran, jene durch Raketen, den Cyberkrieg, den Schutz unserer Grenzen und die Waffenlager erforderten Änderungen im Verteidigungsbudget, um Israel zu stärken. Seine Äusserungen wurden ab Tonband gesendet; sie lagen offenbar schon länger bereit, waren aber zur Sendung zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen. Minister Steinitz reagierte schnell: er unterschrieb eine Verfügung, die Preise von Zigaretten und Bier würden ab sofort (Mitternacht) massiv erhöht. Auch dieser Ukas war längst vorbereitet; aber Steinitz fühlte sich durch Bibis Vorpreschen übergangen (zum x-ten Male) und zahlte mit gleicher Münze heim. Das war ein Vorspiel zu dem, was unser am Montag wartet: Dann soll die Gesamtregierung das revidierte Budget absegnen, das sehr schmerzliche Kürzungen vorsieht und erhöhte Steuern verspricht. Welche? Das möge man entweder an der Gerüchtebörse erfragen oder sich bis am Montag in Geduld üben. Nur Eines scheint festzustehen: Die Mehrwertsteuer soll von 16 auf 17% erhöht werden, ganz im Einklang mit Nethaniahus und Steinitz` Doktrin. Und noch einen Hinweis gibt es: Die Tel Aviver Börsenkurse steigen heute. Also werden wahrscheinlich die Superreichen, ebenfalls der Doktrin entsprechend, gut wegkommen.

Ich weiss nicht, was soll das bedeuten …

Seit längerer Zeit schon werden auf Reschet bet (news-Sender des öffentlichen Radios) ohne Unterlass Nachrichten gebracht, die einen in Spannung und Angst versetzen und halten. Stoff ist ja genug vorhanden: Terrorattacken, erfolgte (in Bulgarien) und erwartete (in London und eigentlich überall in der Welt); die gehorteten chemischen Waffen in Syrien; was geschieht, wenn der Tyrann dort fällt? wie lange geht es noch, bis der Iran seine Atomwaffen hat? und dann? bricht die EU zusammen? was dann? fällt die Regierung, und wenn ja, wann? dazu täglich schwere Verkehrsunfälle, Schlägereien und Messerstechereien unter gelangweilten und/oder stockbetrunkenen Jugendlichen und … und… und wann ist das Erdbeben fällig?… Solches wird jede Stunde gesendet, 24 Stunden im Tag, dazwischen endlose Kommentare und ein Meer von Mutmassungen; jeder Politiker, jeder Journalist, jeder Kaffeesatz-Wahrsager muss irgend etwas schwafeln.
Eine gute Bekannte wollte meine Meinung zu dieser Flut von Schauermeldungen wissen. Ich sagte ihr, in unserer Generation sei die Prophetie nur noch den Narren gegeben; da ich mich nicht jener Spezies zurechne, könne ich keine Auskunft geben.
Ich frage mich aber etwas anderes: Wovon soll das alles ablenken? Welche Nachrichten werden nicht gesendet? – Das werden wir wohl vernehmen, wenn der nächste grosse Skandal auffliegt.

Wir sind unterwegs – noch immer

Wir sind unterwegs“ war das Thema des Headers in meinem alten Blog, da das Unterwegssein immer eine bestimmende Rolle spielte in Mordechais und meinem Leben. Unterwegs sein: immer bereit sein zum Aufbruch, bereit, Neues zu erfahren, zu erkunden, zu erleben – das lag in unser beider Art, das war auch förderlich, ja nötig, um unser Leben gut zu bestehen. Es lag auch in der Zeit, in die wir geboren wurden, einer Zeit der Umbrüche, der rasenden Veränderungen, einer Zeit, die unzählige Menschen aus ihren gewohnten Bahnen warf und sie zwang, im Unbekannten neue Lebensformen zu suchen und zu entwickeln.

Unterwegs sein ist auch heute noch ein Grundmotiv meines Lebens; deshalb habe ich diese humorvolle Installation, gesehen in der Nähe von Mitzpe Ramon an der antiken nabatäischen Handelsroute, zum vorläufigen Header meines neuen Blogs gewählt.

Mein früheres Blog hiess Wusisdus – jiddisch für „was ist das?“ – das sollte ausdrücken, wie ich Zeit meines Lebens Fragen stellte und in Frage stellte, bei allem, was ich erfuhr, erkundete, erlebte. Wusisdus frage ich noch immer, fast täglich. Aber inzwischen ist noch etwas dazu gekommen: Dusisdus, ein doppelsinniges Wort. Es kann bedeuten  „das ist´s, das wär´s denn“. So gesagt, mit einem Achselzucken, passt Dusisdus zu alten Menschen, die resignierend auf ihr Leben zurückblicken. Aber anders betont:  Dusisdus – „das ist´s!“ begrüsst es einen neu auftauchenden Gedanken, eine lang gesuchte Antwort auf ein Problem, eine Idee, die vorwärts bringt. Dieses Dusisdus weist in die Zukunft, passt zu jungen Menschen, oder besser gesagt zum jung Gebliebenen in jedem Menschen, was auch sein Jahrgang sei

Ich bin jetzt an einem Punkte meines Lebens, da ich wohl schon rückwärts blicke auf das Gewesene, Vergangene, aber immer noch auch vorwärts. Ich will noch eigene neue Erfahrungen sammeln und freue mich, wenn Jüngere mich an den Ihren teilhaben lassen. Ich verfolge mit grosser Teilnahme die Bemühungen von Wissenschaftern und Denkern, die uns neue Horizonte erschliessen und der Menschheit neue Möglichkeiten eröffnen, samt den damit verbundenen neuen Problemen und Gefahren, die Umdenken auf vielen Gebieten erfordern. Hie und da – nicht sehr oft, ich heisse ja nicht Lila – will ich über Erinnerungen und Ausblicke berichten und auch Momentaufnahmen aus dem Alltag in meiner Wahlheimat Israel „schiessen“ und sie kommentieren vulgo meinen Senf dazu geben.