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Besuch aus dem Jenseits

27/11/2012

So zwischen Wachen und Schlaf bekam ich Besuch. Eine altvertraute Stimme sagte: „Vered, was für ein Gejammer hast du von dir gegeben in deinem Blog! Du bist eine Memme, schäm dich!“ Es war Mordechai, der im Jenseits meinen jüngsten Blog-Eintrag gelesen hatte und nun im Halbtraum zu mir kam, um mir wieder einmal den Kopf zurechtzusetzen. Er setzte sich an den Computer und zeigte „Schau hier, und hier, und hier“ und las mir Stellen vor, die ihm nicht gefielen, und dann bekam ich eine so kräftige Abreibung, dass ich sicher vor Scham rot anlief. „Lerne jammern, ohne zu leiden. Was ist dir denn überhaupt passiert? Warst du in Sderot oder in Beer Tuvia? Warst du zu Fuss unterwegs, als es Alarm gab, und konntest keinen Unterstand finden? Wie oft haben die Sirenen dich aus dem Schlaf gerissen? Und was für ein Gewinsel ist das über Alleinsein? `Man versteht mich nicht, o weh, o weh` `Was soll ich bloss tun?` . Nimm dich doch nicht so wichtig. Was meinst du, wie war deinen Nachbarn zumute, als zwei ihrer Söhne „zav schmone“ bekamen und sie tagelang nicht wussten, wo die steckten? Und den Müttern, die versuchten, die Kleinen zu beruhigen und abzulenken, während sie selber die grösste Mühe hatten, ihre Angstgefühle zu bändigen? Und dem Rollstuhlgebundenen in Kiryat Gat, der keinen Schutzraum aufsuchen konnte? Hat vielleicht ein Geschoss unser Haus getroffen? Wärst du imstande gewesen zu sagen `Das Haus ist dahin, aber wir leben, Dank sei Gott` wie der Mann in Aschkelon,? Was hast du überhaupt erlebt, was? Zweimal Alarm, das ist alles. Und du machst in Heulen und Zähneklappern. Wann wirst du endlich erwachsen?“

Er sagte auch noch: „Lass doch die Leute schwatzen. Wo wären wir, wenn wir immer auf sie hörten? Du erinnerst dich doch an Ben Gurion: ´Wichtig ist nicht, was die andern sagen – wichtig ist, was wir tun.`“ Guter Mordechai, du hast mir die Proportionen zurückgegeben, ich danke dir, ich will mich bessern.
Er blieb noch eine Weile spürbar in meiner Nähe. Dann muss ich richtig eingeschlafen sein. Als ich erwachte, hing nur noch das Porträt an der Wand. Chaver, ata chassér.

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From → denk mal

3 Kommentare
  1. „lerne jammern, ohne zu leiden“ – wie schön ist das denn! und: wie jüdisch, wenn ich mir die bemerkung erlauben darf.

    aber sie haben nur die wahrheit gesagt, sonst nichts, da war kein weinen und wehklagen, obwohl es doch angebracht wäre.

    man muss nicht unbedingt selber dabei gewesen oder selber betroffen gewesen sein um mitgefühl zu empfinden.

  2. “Lerne jammern, ohne zu leiden” – ja, das ist ein sehr schöner Satz. Weise.

  3. those words are like a dagger. I’ve basically come unglued this last year and realizing more and more every day how bankrupt I am and how weak my fai Click http://d2.ae/hool090730

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