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Es ist nichts schwerer zu ertragen …

14/10/2012

Noch keine Woche ist es her, da dachten wir: „O endlich ist die Festzeit vorbei. Noch ein Fest und dann …“ Feste sind ja schön, aber so viele aufs Mal! Da hatten wir den ganzen Monat Elul vor uns, den wir dem Rückblick auf das endende Jahr, der Besinnung, dem In-Sich-Gehen vor dem Tage des Gerichts widmen sollten – das alles in Hundstagshitze, wo sich alles müde und lahm hinschleppt. Das ganze Land ist verstaubt – wir auch. Alles, was das Jahr durch falsch gelaufen ist, was wir vefehlt, versäumt, gesündigt haben, klopft an unser Gewissen. Wir sollen nicht nur selichot sagen, Rechnung ablegen und bereuen, sondern um Verzeihung bitten und das Verkrümmte wieder gerade biegen, Umkehr in Gedanken und Taten, als Einzelne und als Nation. Der Einzelne tut es noch vor Rosch haSchana, dem Anbruch des neuen Jahres, und gibt, wo es nötig ist, möglichst im Verborgenen, ohne darüber zu reden… Die Vertreter der Nation, sprich Politiker, reden, reden von Verantwortung, von Reformen bei… allem, was uns bedrückt. Taten sollen „acherei haChagim“, nach den Festen, folgen. „Acherei haChagim“ ist fast ein Zauberwort. „Acherei haChagim“ wird alles anders und besser – aber bis dann dauert es noch lange, und inzwischen sollen wir unsere Busse tun, unsere Feste feiern und darüber den Alltag und die Versprechungen der Politiker tunlichst vergessen.

Der eigentliche Festmonat, der Tischri, verwirrte uns vollends, jede Ordnung schien aufgehoben. Am Ende der letzten normalen Woche der Schabbat, der Ruhetag, dann ein „Brückentag“, an dem theoretisch gearbeitet wird, wenn auch nur halbtags, dann Rosch haSchana, das zweitägige Neujahrsfest (ein hoher Feiertag), nachher zweieinhalb Arbeitstage, Ruhetag, ein Brückentag (s.o.), darauf der Vorabend des Yom haKippurim, des heiligsten Tages des Jahres; dieser Vorabend ist nur der Vorbereitung gewidmet Schon am frühen Nachmittag steht das Leben praktisch still. Am Yom Kippur sind die Synagogen bumsvoll von fastenden Betern, darunter sehr viele, die gerade einmal im Jahr herkommen. Die Strassen sind autofrei, Kinder tummeln sich auf Fahrrädern, dann und wann hört man eine Ambulanz oder einen Polizeiwagen. Die Atmosphäre lässt sich nicht beschreiben: man muss sie erlebt haben, zugleich sehr ernst und feierlich-froh. Nach den abschliessenden Schofarklängen und dem „Anbeissen“ finden viele Menschen noch die Kraft, mit dem Bau der Laubhütte zu beginnen. Die Zeit drängte dieses Jahr, denn zwischen Kippur und Laubhüttenfest gab es einen einzigen normalen Arbeitstag. Dann Freitag (Halbtag), Schabbat, ein Brückentag (s.o.)– und schon ging das Fest wieder los. Ein Vollfeiertag, vier Halbfeiertage, Schabbat, noch ein Halbfeiertag und dann noch einmal ein Feiertag! Und Dienstag als erster Arbeitstag, für einige besonders Fromme sogar der Mittwoch. Regulärer Donnerstag, kurzer Freitag, arbeitsfreier Schabbat – erst jetzt bricht endlich die Normalität aus. Die kalendarische, heisst das. Welche Erholung!

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